Samstag, 23. Juni 2018

Bei Maxi ist der Teufel los

Mistwetter auf den Autohof in Wilnsdorf, da freust du dich auf einen ruhigen Abend und ein leckeres Essen (Bild: Archiv)
Es gibt so Dinge, die vergisst man nie. Zum Beispiel die Erinnerungen an meine Kindheit in den 70ern. Ich war sieben, als ich meine Eltern das erste mal im klapprigen Opel Kadett mit nach Südtirol in die Sommerferien nahm. Vater folgte auf der langen Fahrt immer der Devise, dort Pausen einzulegen, wo viele Lkw standen. Er war der Ansicht, dass es dort stets das beste Essen gäbe. Ob er Recht hatte kann ich nicht mit Sicherheit sagen, schließlich haben wir die anderen Restaurants nie getestet. Jedenfalls  kann man sagen, dass ich seit dieser Zeit neurologisch auf Autohöfe konditioniert bin, was Autohofbetreiber sicher ungemein erfreut, weil ich doch unter anderem ein Fuhrmann bin.


Wer also meine Vorgeschichte kennt, wundert sich nicht, dass ich natürlich auch regelmäßig die Kette der Maxi-Autohöfe anfahre. Die sanitären Anlagen, insbesondere die Duschen, sind stets wunderbar sauber, so weit das zu leisten ist, das Essen ist gut und die Preise sind aus meiner Sicht auch völlig okay. Gut, über den cleveren Trick, die Fahrer morgens für die Ausfahrt vom Parkplatz zum Entwerten des Parktickets noch mal in den Shop zu zwingen, um den Absatz von Kaffee und Brötchen zu steigern kann man geteilter Meinung sein - aber hey, das ist ein Unternehmen, da muss man schon gewinnorientiert arbeiten. Geschenkt also.

Sicher wird das mancher Kollege wie üblich ganz anders sehen (scheint auch so eine Berufskrankheit zu sein), darum soll es aber an dieser Stelle gar nicht gehen. Mir geht es um das Personal auf den Maxi-Autohöfen. Die Mitarbeiter/Innen sind nämlich stets nett und freundlich zu mir. Das ganze runde Leistungsspektrum, angefangen vom Koch über die Servicekräfte bis zur Reinigungskraft, ist bei Maxi echt sehr gut, kann aber eben auch nur so gut sein, wie die Mitarbeiter, die an diesen Stellen ihren Job verrichten. Ein großes Kompliment also an die Leute, die dort arbeiten. Mit anderen Worten sind sie es, die für den Betreiber, die KMS Autohofbetriebsgesellschaft mbH, die ganze schöne Kohle erarbeiten, sagt zumindest der Karl, also der Marx, und der muss es ja wissen.

Getreu der Maxi-Philosophie "maximaler Service für unsere Kunden" kann und soll der gemeine Fuhrmann dort vom anstrengenden Berufsalltag runter kommen und eine kleine Auszeit nehmen. Ein paar Stunden den Stress und den Ärger hinter sich lassen und Mensch sein, das verspricht Maxi uns Fuhrleuten. Leider klappt das immer seltener. Ich hätte es eigentlich gar nicht zur Sprache gebracht, aber kürzlich ist mir schon der fünfte Maxi-Autohof dadurch negativ aufgefallen, dass die Mitarbeiter untereinander vor Kunden - also vor mir - darüber diskutieren, wie schlecht man sich behandelt fühlt, worüber man sich so ärgert und wie blöd Hinz und Kunz ist, während ich an der Kasse stehe und darauf warte, dass man mein Geld entgegen nimmt. Passiert das immer nur bei mir? Oder ist das vielleicht irgend so ein Marketing-Gag? Oder sind die Mitarbeiter tatsächlich unzufrieden?

Nun könnte man ja sagen, dass Mitarbeiter, die öffentlich schlecht über den eigenen Arbeitgeber reden, schlecht sind und für sich sprechen. Man könnte die Sache mit dem Gedanken abhaken, dass die Leute nichts taugen und wäre fertig damit. Das würde der Sache aber nicht gerecht, denn schließlich beschrieb ich ja oben schon, dass die Leute einerseits einen ausgesprochen guten Job machen und andererseits habe ich das jetzt wie oben erwähnt schon auf dem fünften Maxi erlebt. Da scheint dann ja wohl etwas hinter zu stecken. Um es mal deutlich zu sagen: Um unzufriedene Gesichter zu sehen und Zank und Streit zu erleben muss ich keine 10 Euro Eintrittsgeld bezahlen und erst Recht nicht noch weiteres Geld für Duschen, Essen und Trinken ausgeben, das bekomme ich woanders kostenlos.

Ich habe sogar Geld ausgegeben um Mitglied in diesem komischen Maxi-Club zu werden und jetzt habe ich irgendwie gar keine Lust mehr hin zu fahren. Also habe ich mir mal angeschaut, was andere über den Betreiber so sagen. Und wo könnte man das besser tun als auf der Seite Kununu? Auf diesem Portal bewerten Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber. Im Einzelnen können dort Dinge wie Kollegialität, Vorgesetztenverhalten, Karrierechancen, Gleichberechtigung und viele viele andere wichtige Fragen bewertet werden. Ich halte das Ganze für Recht objektiv, immerhin bewerten dort schon 13 Mitarbeiter und zwei Azubis. Und da sprechen dann die Bewertungen auch wieder für sich. Ein Ranking von weniger als zwei Sternen, 1,63 Punkte, lässt, sagen wir mal, durchaus komfortablen Platz nach oben.

Ob es nun tatsächlich so ist kann ich nicht sagen, doch bei mir hat sich der Eindruck verfestigt, dass die Mitarbeiter der Maxi-Kette gewaltig unter Druck stehen. Kein Wunder wenn da die Nerven auch bei den besten und geduldigsten Mitarbeitern irgendwann blank liegen. Selbst wenn ich für meine Kritik Ärger bekomme aber für mich als Außenstehenden stellt sich das so dar, dass es viel Raum für Mediation (zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer) und eine neu aufgestellte Unternehmensphilosophie gibt.

In der heutigen Zeit geben Unternehmen schließlich eine Menge Talerchen für die Formulierung ethischer Unternehmensgrundsätze und Wertestandards aus. Meistens steht noch was von ökologischem Gedöns drin, aber  "Maximaler Service für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter" hört sich doch für den Anfang schon mal ganz gut an. Wär doch schön, wenn der Aufenthalt bei Maxi für die Mitarbeiter genauso angenehm würde wie für die Gäste, oder? Ansonsten fühlt sich das Essen der Truckerpfanne irgendwie so an, wie das Essen misshandelter Schweine aus der Massentierhaltung - es schmeckt einfach nicht so, wie mit gutem Gewissen. Mahlzeit!