Freitag, 27. Juli 2018

Cargo macht jetzt Jagd auf Planenschlitzer

(Bild: Icke)
Es ist Nacht, der Mond scheint helle, ein Dieb verdient was auf die Schnelle. Ein Schlitz, ein Halbmond in der Plane. So schnell geht das, während der Fahrer vorne den Schlaf der Gerechten schläft. Der ganze Spaß dauert nur wenige Sekunden und der Dieb weiß, ob er ein lohnendes Objekt vor sich hat. Schnell verkäufliche Waren wie Kosmetik, Kfz-Teile, Kleidung, Nahrungsmittel und Elektronik aller Art gehen natürlich am besten, aber ich habe schon vor 20 Jahren in Italien erlebt, wie einem Kollegen nachts ein ganzes Coil mit 4 Tonnen Gewicht geklaut wurde. Nichts ist vor professionellen Dieben sicher. Das soll sich nun mit "Cargo" ändern.

Anfang Juli 2018 hat die Projektgruppe „Cargo“ die Arbeit aufgenommen. „Cargo” ist ein Team, das aus unterschiedlichen Experten aus den Bereichen der Bekämpfung von organisierter Kriminalität, Wirtschaftskriminalität und Korruption zusammengesetzt wurde. Vorgestellt wurde das Ganze vom Leiter des LKA Sachsen-Anhalt, Guido Sünnemann. Neben Sachsen-Anhalt beteiligen sich Niedersachsen und Nordrhein Westfalen an dem Projekt, das zuerst einmal für 2 Jahre angelegt wurde. Macht auch Sinn, der der Hotspot der Planenschlitzer-Mafia liegt auf den Autobahnen 2, 7, 9, 14 und 38.

Der Verband der Deutschen Versicherungsanstalten vermutet das durch diese Form des Frachtdiebstahls ein jährlicher Schaden von rund 2,2 Milliarden Euro entsteht. Genaues weiß man nicht. Denn um den tatsächlichen volkswirtschaftlichen Schaden zu ermitteln müsste man auf zusammenfassende Zahlen zurück greifen können, die einfach nicht existieren. Dieser hanebüchene Umstand geht auf die Tatsache zurück, dass jedes Bundesland und jede zuständige Behörde ein eigenes Süppchen kocht. Dementsprechend wurden die Daten aus Lkw-Frachtdiebstählen bislang nicht überregional ausgetauscht.

Das ist ganz super für alle Planenreparaturbetriebe, die am Boom dieser Branche gut verdienen, mehr noch allerdings für die Diebe. Denn durch die nicht stattfindende Zusammenarbeit unter den jeweiligen Ermittlungsbehörden ist sich kaum jemand über den tatsächlichen Umfang dieser kriminellen Branche im Klaren. Und weil sich niemand darüber im klaren ist hat auch kaum jemand außerhalb der Branche die Dringlichkeit des Problems auf dem Radar. Die Strafverfolgung fand daher stets eher sporadisch und lokal begrenzt statt. Über Sinn und Unsinn muss man hier nicht lange nachdenken.

Zwar klagen Speditionen und Fahrer seit Jahren über die unhaltbaren und für Fahrer teils gefährlichen Situationen, nur zuhören will denen keiner. Die jammern schließlich immer, da schaltete man in verantwortlichen Kreisen gerne die Ohren auf Durchzug. Und wer selbst das Gefühl nicht kennt, das man hat, wenn man nachts im Fahrerhaus liegt und merkt das man hinten ausgeraubt wird, der denkt über solche Sachen auch nicht nach. Das Gefühl vermeintlicher Sicherheit ändert sich bei Außenstehenden meist erst, wenn Lollek und Bollek im Urlaub mal deine eigenen vier Wände heimgesucht und die Wohnung auf den Kopf gedreht haben. Viele Fahrer leben damit jede Nacht. Sollte man mal drüber nachdenken.

LKA-Leiter Guido Sünnemann ist nach meiner Erkenntnis dankenswerter Weise der Erste aus dem erlauchtem Kreis der Verantwortlichen, der unumwunden zugibt, dass die zuständigen Ermittlungsbehörden diese unmögliche Situation völlig verpennt haben. Aus diesem Grund soll jetzt vor allem der Informations- und Dokumentenverkehr zwischen den Dienststellen in den Bundesländern verbessert werden. Außerdem drängt die Projektgruppe Cargo darauf hin, dass jeweils nur ein Staatsanwalt und eine Ermittlungsstelle in den jeweiligen Bundesländern für diese Art von Verbrechen verantwortlich ist.

Das hört sich für mich erstmal alles sinnvoll an. Wäre doch schön, wenn Lollek und Bollek demnächst nur noch eins ritzen, und zwar die Zahl der abgesessenen Hafttage in die Zellenwand. Ist bloß schade für die netten Planenmacher...