Samstag, 14. Juli 2018

Fahrspurwechsel mit Kollision: Das macht der doch extra...

Kurze Einsicht in die Aussicht, die ein Fuhrmann hat, wenn er in die rechten Außenspiegel blickt - zum Vergrößern uff dit Bild klicken, wa (Bild: Icke)
In der letzten Woche wurde ich auf einer Raststätte unfreiwillig Zeuge eines Gesprächs unter zwei Autofahrern. Offensichtlich hatte einer der Beiden kurz vorher einen Rempler von einem Lkw erhalten, als er im engen Berufsverkehr auf die Autobahn auffahren wollte. Der Fahrer war der Meinung, der Lkw-Fahrer hätte aus Sturheit auf sein Recht der Vorfahrt bestanden und so den Unfall mutwillig provoziert. Er lamentierte tatsächlich, dass der Fahrer das extra gemacht hätte. Mein lieber Scholli. Ich habe dann höflich gefragt ob ich mich an der Unterhaltung beteiligen dürfe.

Tatsächlich ist diese Konstellation von Blechschäden wahrscheinlich eine der häufigsten Unfallhergänge auf Autobahnen. Ein Pkw will auffahren oder rechts vom Lkw, im toten Winkel fahrend, die Spur nach links wechseln (oder der Lkw will nach rechts wechseln) und es kommt zum Anrempeln. In den meisten Fällen gehen solche Kollisionen aufgrund der niedrigen Geschwindigkeiten im engen Verkehr glimpflich aus, Ärger und Stress gibt es trotzdem.

Nachdem ich einen amateurhaften Vortrag über den toten Winkel eines Lkw gehalten hatte lud ich die beiden kurzerhand ein, einmal auf meinem Fahrersitz Platz zu nehmen, um sich von den Sichtverhältnissen eines Lkw-Lenkers selbst einen Eindruck zu verschaffen. Zuerst einmal fand ich es ziemlich lustig, mit welcher Freude die beiden in meinen Lkw kletterten. Die Zwei fanden einfach alles toll, das hohe Fahrerhaus, das Bett, den Schalthebel, die vielen Knöpfchen - sie freuten sich wie zwei kleine Jungs die im Feuerwehrauto sitzen dürfen.

Die Euphorie verflog aber schnell, als ich drauf hinwies, doch einmal im Spiegel zu schauen, was rechts neben dem Lkw gerade passiert. Die Reaktion "Oh, man sieht ja gar nichts...!" hatte ich natürlich irgendwie erwartet. Womit ich nicht gerechnet hatte war die Augenblickliche Änderung der Sichtweise. Mission erfüllt. Am Ende waren wir dann alle gleichermaßen der Meinung, dass Fahranfängern etwa im Zuge der Führerscheinausbildung von Fahrschulen viel deutlicher erklärt und gezeigt werden müsse, was im fairen Miteinander zwischen Lkw und Pkw zu beachten ist.

Vielleicht sprechen Krad- und Pkw-Fahrer, Radfahrer Fußgänger und Fuhrleute ja dann irgendwann die gleiche Sprache, wenn sie einen kleinen Einblick in die Verkehrssituation der jeweils anderen erhalten. Das schafft Verständnis und baut Vorurteile und Klischees ab, Verkehrserziehung de Luxe, sozusagen. Jetzt muss das nur noch jemand den Fahrlehrern und ihrem Verband verklickern.