Sonntag, 2. September 2018

Juhuu! Spediteure dürfen für Entladung zahlen

Bild: H.D.Volz by Pixelio.de
Die Welt wird immer verrückter. Kaum hatte ich in einem meiner letzten Beiträge den neu entdeckten Discounter-Kaffee von Lidl gelobt, hat man sich dort schon den nächsten Clou einfallen lassen. Fast scheint es, als wolle dort jemand das Konto mit den Karma-Punkten auffüllen. Diesmal werden die Transportunternehmen beglückt. Damit meine lieben Kollegen aus der Palettenkutscher-Abteilung demnächst nicht mehr so lange an der Rampe warten müssen, kann man nun in den Hubs ganz günstig eine Express-Entladung buchen.

Vierzig Euro soll die reguläre Entladung an der Expressrampe kosten. Für Kollegen, die aufgrund technischer Probleme oder Stau außerhalb der Entladezeiten ankommen soll es dann sogar den Service der Entladung außerhalb außerhalb der Warenanahmezeiten geben. Bis 5 Uhr muss das neue Zeitfenster dann gebucht sein, damit man nicht bis zum nächsten Tag warten muss. Einhundert Euro. Das betrifft die Zeit zwischen 12 und 18 Uhr, also den Zeitraum den Tages, wo eigentlich überall geschäftliches Treiben herrscht. Bei Lidl scheint das anders zu sein.

Dabei darf der Fahrer nicht nur im neuen Zeitfenster zur Rampe fahrem, Lidl entlädt dann selbst. Der Fahrer könnte dann in seiner Pause Pause machen. Äh Moment, das wäre ja streng legal. Ich kann es kaum glauben. Nun kenne ich die exakten Frachttarife leider nicht, weiß aber, dass Lidl allgemein höhere Frachttarife zahlt damit der Transporteur die Aufgabe der Entladung übernimmt. Natürlich bleibt es am Fahrer hängen. Erfahrungsgemäß wird aber der von Lidl gezahlte Frachtauftrag in der Transportbranche selbst so oft über Sofa-Spediteure hin und her vermittelt, dass der eigentliche Transporteur am Ende ohnehin annähernd für den Selbstkostenpreis fährt. Trotzdem beleibt die Entladung am Fahrer kennen. Das Geld dafür ist indes bei diversen Parasiten der Branche versickert.

Tatsächlich versucht Lidl mit diesem klugen Angebot natürlich die ADSp (Allgemeine Deutschen Spediteursbedingungen) und das HGB weitgehend auszuhebeln.  So ist in Punkt 4.8.2 (ADSp) zu lesen, dass der Spediteur nicht für die Arbeit der Ver- und Entladung zuständig ist. Auch nicht der Fahrer (das nur um Missverständnissen vorzubeugen). Lässt man die ADSp außer acht und fährt als Transportunternehmen unabhängig von der ADSp, regelt das HGB die Frage der Entladung. Das besagt in § 412 Absatz 1, dass der Absender die Pflicht hat, die Güter zu entladen. Auch hier nichts vom Fahrer zu lesen.

Weder ADSp noch HGB geben also her, dass der Fuhrmann mit einer "Ameise" (ohne ausführliche vorhergehende technische Unterweisung) durch das Lidl-Lager saust, um dort die eigene Karre abzuladen. Aus der Verantwortung für die mitunter langen Standzeiten will man sich bei Lidl auf diese Weise ebenfalls stehlen, denn wer es eilig hat, kann ja jederzeit den kostenpflichtigen Einsatz der Lidl-Express-Entlader kaufen (ADSp Punkt 11.4). Lohnt sich Lidl denn dann überhaupt noch? Ich weiß es nicht, vermute aber mal nicht. In der Transportbranche gibt's jetzt jedenfalls erstmal ordentlich Wirbel um die Sache. Endlich wieder was los...