Samstag, 9. Februar 2019

Safety first beim Stahltransport

Durchgehende Antirutschmatten, Formschluss, reichlich Gurte. Da freut sich jeder Kontrollbeamte. Das Auge lädt schließlich auch mit.  Bild: th
 Arbeitssicherheit ist ja ein hohes Gut. In Perfektion wird diese Sicherheit bei einem Unternehmen im Duisburger Hafen betrieben. Um es vorweg zu nehmen: es handelt sich um ein französisches Unternehmen und die sind ja bekanntlich ohnehin etwas speziell. Hier wurde aber alles was ich bisher kannte getoppt. Los geht der Spaß schon vor dem Betreten des Werksgeländes mit einer Fahrerschulung mit anschließender Fragestunde. Was man sonst nur aus großen Chemieunternehmen kennt, ist hier gerade gut genug.


Dort lernte ich dann, dass neben den obligatorischen Sicherheitsschuhen, Helm, Warnweste auch keine nackten Arme im Unternehmen getragen werden dürfen. Bei einer Tagestemperatur von Null Grad eher uninteressant aber für die heißen Sommertage gibt es spezielle Armstuplen. Wahrscheinlich, damit sich niemand erkältet. Außerdem besteigt der Fahrer seine Ladefläche ausschließlich über eine Betriebseigene Leiter mit Geländer. Die Verwendung eigener Leitern oder am Fahrzeug integrierter Steighilfen ist verboten. Eigene Leitern sind ja die reinsten Todesfallen.
Bild: th
Diese Regelung gilt für alle Ladeflächen an 100 cm Höhe. Meine Ladefläche ist übrigens 86 cm hoch und deshalb durfte ich auch so mit einem großen Schritt auf meine Ladefläche klettern, ohne Leiter. Schließlich sind die Folgen eines Sturzes aus 82 cm Höhe wesentlich weniger schlimm als wenn die Fallhöhe 14 cm mehr beträgt. bei einem Fall aus 86 Zentimeter kann sich auch der ungelenkeste Fahrer beim Aufschlag noch elegant und verletzungfsfrei abrollen. Ein Fall aus 100 Zentimeter endet dagegen ausnahmslos tödlich.

Völlig neu war auch die Erkenntnis, nicht unter schwebende Lasten zu laufen, nicht hinter Gabelstaplern her zu laufen und während der Beladung nicht auf der Ladefläche zu stehen. Das man mit den Fingerchen und Patschehändchen nicht unter schwebende Lasten fassen soll war auch neu und macht den ganzen Spaß an der Arbeit zur nichte, wofür haben wir von der Natur denn von den Dingern 10 Stück bekommen? Tatsächlich scheinen diese Anweisungen für manche Zeitgenossen aber mehr als notwendig zu sein. Schließlich habe ich schon sehen müssen, wie der Fahrer einer Remscheider Spedition mit 24 Tonne Stahl völlig ungesichert ohne einen einzigen Gurt vom Hof fuhr. Hörte sich an wie ein Glockenspiel. Aber hey, war ja nur Nahverkehr...

Deswegen ich will das alles nicht schlecht reden, ich mache nur Spaß. Tatsächlich ist es sogar wichtig, beim Thema Arbeitssicherheit einer gewissen Choreografie zu folgen. Zelebrierte Arbeitsabläufe verhindern Routine und Nachlässigkeit und vermindern die Unfallgefahr. Es geht nicht immer darum möglichst schnell fertig zu sein sondern stets so, dass wir alle garantiert wieder heile und gesund nach Hause kommen. Schließlich gebe ich beim Balettbesuch auch nicht 50 Euro aus um mir anzusehen, wie die Ballerina möglichst zeitoptimiert von links nach rechts über die Bühne flitzt. Sie soll Pirouetten drehen, die Gute, damit es auch ordentlich schön wird. Ähnlich ist es bei der Ladungssicherung. Das Auge lädt schließlich auch mit.

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