Mittwoch, 5. Juni 2019

Was wir Ihnen bieten...

Bild: Wikipedia
Der Fahrermangel ist in der Branche allgegenwärtig. Stellenangebote gibt es im Übermaß. Da sollte man doch meinen, dass unter den jeweiligen Unternehmen ein regelrechter Kampf um gutes Fahrpersonal im Gange ist. Tatsächlich haben auch einige Spediteure die Zeichen der Zeit erkannt und versuchen neue Mitarbeiter mit kleinen Annehmlichkeiten von der Qualität des eigenen Unternehmens zu überzeugen. Andere haben den Knall offensichtlich noch nicht gehört.


 Es ist doch eigentlich selbstverständlich, dass ein Arbeitgeber bestimmte Erwartungen an seinen Mitarbeiter haben kann und muss. Dazu gehören beispielsweise Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit und die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen wie die LuRZ, die STVO oder die UVV. Das alles sind Selbstverständlichkeiten, die einen Mitarbeiter überhaupt erst für den ersten Arbeitsmarkt einsetzbar machen. Wer diese Skills nicht beherrscht ist für den Arbeitsmarkt praktisch unbrauchbar.

 Um so lustiger sind da so manche Stellenausschreibungen in der Transportbranche. Neben einer ganzen Litanei an Aufzählungen und Wünschen zu dem, was der, die oder das neue Mitarbeiter/-in mitzubringen hat ist nämlich viel interessanter, was die Unternehmen den so sehr gesuchten und dringend benötigten Fahrern bieten. Im Beispiel einer sauerländischen Spedition las sich das so: Wir bieten:


  •  einen festen Arbeitsvertrag (Anm.: „fest“ soll wahrscheinlich unbefristet bedeuten. Ist natürlich zuallererst im eigenen Interesse des Unternehmens, besonders in Zeiten des Fahrermangels wäre man ja verrückt, Fahrer nach ein oder zwei Jahren eines befristeten Vertrags wieder gehen zu lassen wenn es keine Fahrer am Markt gibt) 
  • Spesen  (Anm.: sind natürlich nur bedingt eine freiwillige Leistung. Vielmehr nutzen Spediteure dieses Werkzeug um den sozialversicherungspflichtigen Anteil des Bruttolohns bspw. für den Fall der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall niedrig zu halten) 
  • ein leistungsbezogenes und pünktliches Gehalt (Anm.: Dürfte eigentlich selbstverständlich sein. Hier weist der Spediteur noch einmal extra darauf hin. Was sagt das über das Gechäftsgebahren des Unternehmens?) 
  • ein wertschätzendes Arbeitsumfeld (Anm.: das sollte unter kultivierten Menschen in unserer Gesellschaft keiner weiteren Erwähnung bedürfen, hier scheint das als besondere Leistung einer Erwähnung wert) 
  • einen modernen Fuhrpark (Anm.: liegt natürlich allein aus Gründen der Wirtschaftlichkeit besonders im Interesse des Unternehmens) 
 Wir finden also lauter Selbstverständlichkeiten, die dem möglichen Bewerber als besonders attraktives Entgegenkommen des Unternehmens verkauft werden sollen. Das zeigt einerseits, dass man den zukünftigen Mitarbeiter offensichtlich für leicht blöd hält und macht den Punkt des „wertschätzenden Arbeitsumfelds eigentlich obsolet. Außerdem sehen wir, dass man trotz der Situation am Arbeitsmarkt nicht eine Sekunde darüber nachdenkt, wie man den Job attraktiver gestalten kann.

 Wo sind nun die Vorteile für den Fahrer? Wie wäre es mal mit einer Betriebsrente oder Vermögenswirksamen Leistungen? Einer Rechtsschutzversicherung? Oder mit dem Hinweis, dass die Arbeitskleidung gestellt wird? Das die Kosten der Weiterbildung nach BKQG ebenso übernommen werden wie die Kosten der ärztlichen Untersuchung für ältere Mitarbeiter? Oder mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld? Oder mit 27 oder 30 Tagen Urlaub? Kostenloses TV im Fahrerhaus? Gesundheitsangebote wie Betriebssport, kostenlose Rauchentwöhnung, Ernährungs- und Gesundheitsberatung für Fuhrleute? 

 Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Lauter Ideen, von denen am Ende auch das eigene Unternehmen profitieren würde. Statt dessen hat es sich einfach eingebürgert für Fuhrleute gerade das Nötigste zu tun. Die sind schließlich so doof, die merken das eh nicht. Das ist ein grober Fehler. Ein Arbeitsmarkt funktioniert wie jeder andere Markt auch. Er regelt sich durch Angebot und Nachfrage. Die Qualität des Angebotes wirkt sich auf die Nachfrage aus und gute Qualität hat ihren Preis. Allerdings kann man auch billig, das geht aber dann in beide Richtungen. Am Ende bekommt man was man bezahlt.

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